Ethnologisches Museum
Digitalisierung der Ethnografika im Zwischenlager des Ethnologischen Museums in Dahlem (Foto: Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum / Mirjam Lotz, CC NC-BY-SA)
Digitalisierung der Ethnografika im Zwischenlager des Ethnologischen Museums in Dahlem (Foto: Staatliche Museen zu Berlin – Ethnologisches Museum / Mirjam Lotz, CC NC-BY-SA)
Ethnografika: Bestand, Umfang, Aufbewahrung
Mit der Annahme des Nachlasses Riefenstahl kamen acht Aluminium-Transportkisten, zwei große Holzkisten sowie Umzugskartons in das Ethnologische Museum Berlin. In den Kisten, die Leni Riefenstahl teils beschriftet und beklebt hatte, wurde ihre ethnologische Sammlung verwahrt. Diese umfasst schätzungsweise 700 Objekte oder cultural belongings aus der Zeit, die Riefenstahl in den Nuba-Bergen und anderen ostafrikanischen Regionen verbrachte.
Bei etwa der Hälfte der Sammlung handelt es sich um cultural belongigs aus Kalebasse. In großem Umfang vorhanden ist eine Vielzahl diverser Schalen und Gefäße aus Kalebasse mit umlaufenden Brandmalereien und teilweise mit Applikationen aus Textil, Glas- oder auch Kunststoffperlen, Plastikbändern, Metall oder Kaurischnecken. Bei den umlaufenden Brandmalereien handelt es sich meist um ornamentale oder geometrische Verzierungen, die die jeweilige Form der Kalebasse akzentuieren. Teilweise sind Darstellungen von Tieren und Menschen sowie Symbole oder Ereignisse – etwa Motive der Jagd, häuslicher oder zwischenmenschlicher Aktivitäten – durch Brandmalerei auf die meist größeren Gefäße aufgetragen. Zu den Objekten aus Kalebasse zählen auch verschließbare Flaschen mit ledernem Riemen und Verzierungen aus Perlen sowie gefüllte Kalebassen mit Applikationen aus Textil.
Neben den Kalebassen umfasst der ethnografische Nachlass weitere diverse Alltagsgegenstände, beispielsweise Flaschen, Holzlöffel, Felle, Flechtarbeiten oder Wedel. Darunter aber auch eine italienische Kaffeekanne oder Souvenirartikel. Speere, Schilde, Schlagwaffen, Messer und weitere Waffen charakterisieren die Sammlung ebenso wie ein umfangreicher Schmuckbestand: metallene und textilumschlagene Reife, Ketten aus Perlen oder Metall, Schildkrötenpanzer an Textilbändern oder lederne Anhänger und Bänder.
Nicht zuletzt zählen auch Musikinstrumente zur Sammlung, darunter etwa zwei große, mit Fell bespannte Holztrommeln und zehn lautenähnliche Zupfinstrumente mit Klangkörpern aus Leder bespannten Kalebassen oder aus Holz, teilweise mit Verzierungen oder mit Textilbändern und Gebrauchsspuren.
Nach der Inventarisierung sind in 680 Identnummern 674 Objekte im Museumsdokumentationssystem verzeichnet. Verwahrt werden diese cultural belongings aus dem Nachlass Riefenstahl in den Sammlungsdepots des Ethnologischen Museums in Dahlem, Berlin.
SB
Arbeiten mit den ethnografischen Objekten
Mit dem Eingang in die Sammlungen des Ethnologischen Museums Berlin erfolgte die Inventarisierung und Grunderfassung der Ethnografika aus dem Nachlass Riefenstahl im Museumsdokumentationssystem. Inventarisierung bedeutet, dass jedem cultural belonging eine Inventarnummer zugewiesen wird. Diese Nummer folgt einem bestimmten Schema innerhalb einer Institution und ordnet das Sammlungsstück in diesem Fall dem Sammlungsbereich „Afrika“ und spezifisch „Nordostafrika“ zu. Die Nummer wird mithilfe gängiger Techniken und Empfehlungen aus der Restaurierung möglichst dauerhaft haftbar und zugleich reversibel aufgetragen.
Im Ethnologischen Museum Berlin wird für die physische Auftragung mit Paraloid, Pinsel, Feder und Tusche gearbeitet, um die Nummer möglichst dezent und zugleich an sichtbarer Stelle auf das Objekt aufzutragen. Das Museumsteam trägt bei der Inventarisierung wie auch beim Handling der Sammlungen Schutzausrüstung und bringt zusätzlich zur physischen Auftragung der Inventarnummer ein Objektschild an.
Mit der Inventarisierung wird für jede Inventarnummer ein Datensatz im Museumsdokumentationssystem MuseumPlus für die weitere Erfassung und Verwaltung der objektbezogenen Daten angelegt. Im Falle der Ethnografika wird zunächst eine Datensatzvorlage in Rücksprache mit der Sammlungsleitung und -verwaltung angelegt. In dieser Vorlage sind die für die Erfassung der Sammlung relevanten Informationen etwa zu geografischem Kontext und Provenienz hinterlegt. Mit der weiteren Erfassung wird die Datensatzvorlage an das jeweilige Sammlungsobjekt angepasst. Erhoben werden dabei vor allem objektbezogene Daten: etwa Maße, Materialität, Beschreibung, Kistennummer, Standort und auch Zustand. Eine tiefergehende wissenschaftliche Bearbeitung des Objektdatensatzes in der Datenbank steht noch aus.
Zur Dokumentation und Erfassung von cultural belongigs zählt die Anfertigung einer Objektfotografie. Für eine optimale fotografische Dokumentation des Nachlasses wird eine Digitalisierungsstation in der Nähe des Zwischenlagers der Neuzugänge eingerichtet. Die Objekte werden in unterschiedlichen Ansichten unter Verwendung eines kalibrierten Color Charts sowie eines Maßstabes aufgenommen. Jedes einzelne Sammlungsstück wird dabei in mindestens zwei, meist jedoch mehr Ansichten fotografiert. So wurden beispielsweise die Kalebassen mit umfangreichen Brandmalereien von mehreren Seiten erfasst, um die Details der Malereien umfänglich zu darzustellen.
Anschließend wurden die Fotografien der Ethnografika mit dem Programm Capture One farblich bearbeitet und zum einen im TIFF-Format sowie als beschnittenes JPG ohne Color Chart und Maßstab gespeichert. Mit dem Abschluss der Digitalisierung erfolgt nach einer redaktionellen Prüfung die Veröffentlichung der objektbezogenen Daten auf der Online-Plattform der Staatlichen Museen zu Berlin. Insgesamt entstanden zu den ca. 700 cultural belongings mehr als 2.000 Bilddateien; davon werden mehr als 1.000 Objektfotos auf der Online-Plattform ausgespielt werden.
Die Inventarisierung, Dokumentation und Digitalisierung erfolgten weitestgehend kistenweise. Um den Prozess der Dokumentation und der Objektfotografie zu standardisieren, wurden die Objekte nach Typ, Größe und Materialität vorsortiert.
Die ethnologische Sammlung Leni Riefenstahls wurde vom Sammlungsmanagement des Sammlungsbereiches „Afrika“ im Ethnologischen Museum und vom Projektteam der Maßnahme zur Digitalisierung und Visualisierung objektbezogener Sammlungsdaten (MDVOS) 2022 bis 2023 inventarisiert, dokumentiert und digitalisiert.
SB