Kunstbibliothek – Sammlung Fotografie
Depot im Museum für Fotografie (Foto: August Haverkamp)
Depot im Museum für Fotografie (Foto: August Haverkamp)
Die Fotografien im Nachlass Riefenstahl
Der Fotografiebestand im Nachlass umfasst ca. 100.000 Objekte und wird im Depot der Kunstbibliothek (Sammlung Fotografie) im Museum für Fotografie aufbewahrt. Bei der Unterbringung wurde darauf geachtet, den originalen Lagerkontext aus dem Haus Riefenstahl in Pöcking rekonstruierbar zu halten. Riefenstahl bewahrte die Fotografien an mehreren Orten im Haus auf. Eigens angefertigte leinenbezogene Kassetten waren im Wohnzimmer aufgestellt, sie enthalten nach Film- und Fotoprojekten sowie nach Themen (etwa „L.R. Portrait“, „L.R. in den Bergen“ „Freunde und Bekannte“) sortierte Abzüge in vielen Formaten. Im großen Archivraum im Keller waren Repronegative, Negative und für die Reproduktion vorgesehene Abzüge in einem großen Schubkastensystem gelagert.
Der Bestand wurde über viele Jahrzehnte zusammengetragen und vermehrt. Für Riefenstahl scheint das Fotoarchiv vor allem ein Arbeitsarchiv gewesen zu sein, das ab den 1980er Jahren vermehrt Grundlage für Publikationen und für die Herstellung von Neuabzügen für Ausstellungen oder für die kommerzielle Verwertung war. Die Objekte lassen sich grob in mehrere Gruppen aufteilen:
(Foto: © Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek / Wilfried Petzi)
Alben
Aus Riefenstahls Kindheit und Jugend, von ihrer Familie, von einzelnen Reisen, zu einigen Filmen, von ihren späten Geburtstagsfeiern, zur Dokumentation ihrer Hausbauten in Berlin und Pöcking gibt es um die 40 Fotoalben.
Originalabzüge (Vintage Prints) und spätere Abzüge
Schon während sie als Tänzerin und Schauspielerin arbeitete, porträtierten führende Fotostudios, zumeist in Berlin, Leni Riefenstahl. Von den meisten Filmen, an denen sie als Schauspielerin mitwirkte, gibt es Standfotos, die oft in den Schaukästen der Kinos ausgehängt wurden. Im Zusammenhang mit Riefenstahls erster Filmregiearbeit Das Blaue Licht (1932) entstanden viele Stand- und Werk-Fotografien, deren Zahl nahm vor allem mit dem Olympiafilm und den Nachkriegsprojekten enorm zu. Riefenstahl beschäftigte oft mehrere Standfotografen, die die Filmarbeiten begleiteten. Mit ihren Reisen nach Afrika startete Riefenstahls Karriere als Fotografin. Abzüge der von ihr als besonders gelungen erachteten Bilder sind in zahlreichen Varianten vorhanden.
Negative
Riefenstahl arbeitete als Fotografin vor allem mit Kleinbild-, gelegentlich auch mit Mittelformat-Kameras. Neben ihren eigenen Negativen sind auch Negative von den Standfotografen der Filme erhalten. Insbesondere von den Fotografien für den Olympia-Film und das Buch gibt es eine größere Bandbreite an Negativmaterial.
Farb-Diapositive
Ab Mitte der 1960er Jahre fotografierte Riefenstahl im Kleinbildformat oft auf Farb-Diafilm. Vor allem die Fotografien in Afrika, die späten Auftragsreportagen und die Unterwasserfotografie entstanden als Diapositive. Da Dias schnell und kostengünstig dupliziert werden konnten, sind im Archiv von vielen Motiven eine große Anzahl von Duplikaten in sehr unterschiedlichen Zuständen erhalten.
LD
Arbeiten mit dem fotografischen Archiv
Der fotografische Nachlass ist ein Arbeitsarchiv, das Leni Riefenstahl bis kurz vor ihrem Tod aktiv nutzte und das Horst Kettner, Riefenstahls Ehemann und Alleinerbe, weiter betreute. Die Ordnung und Ablage der Materialien orientiert sich an den Verwendungszwecken wie beispielsweise den Buchveröffentlichungen. Die Archivordnung folgt in der Regel Kategorien, die von Riefenstahl festgelegten Themen und Erzählungen folgen. Dennoch ist die Ablage inkonsistent. So erfolgte zwar eine Sortierung nach Themen, doch sind Zusammenhänge oft wieder aufgelöst und Fotografien an anderen Orten abgelegt worden. Bei Diafilmen etwa, die bei Erstentwicklung bereits gerahmt worden waren, wurden einzelne Motive den Schachteln entnommen und anderen Konvoluten hinzugefügt.
Die Rekonstruktion der einzelnen Filme und Produktionszusammenhänge wird dadurch erschwert. An den Dias und Abzügen finden sich kaum faktische Informationen wie Entstehungsdatum und -ort. Die Materialien liegen zudem in verschiedensten Formen vor: Negative unterschiedlichen Formats, Dias, Abzüge auf Papier (Schwarz-Weiß und Farbe) in vielen verschiedenen Größen und Qualitäten (Vintage Prints und neuere Abzüge). Es gibt eine Vielzahl von Bildkopien und Derivaten wie Duplikat-Dias, Zwischennegative, sogenannte Master-Dups, in sehr unterschiedlichen Bildqualitäten. Eine qualitative Hierarchie der Aufnahmen ist nicht nachweisbar.
In einem ersten Schritt der Arbeit im Archiv wurden bei der Überführung des Nachlasses nach Berlin alle in sich geschlossenen Verpackungseinheiten (genannt Konvolute) durchgehend nummeriert, so wie sie in Riefenstahls Haus in Pöcking Raum für Raum vorgefunden worden waren. Mithilfe der Konvolut-Nummerierung konnte Ende 2018 eine erste Tabellenübersicht des Gesamtnachlasses erstellt werden. Für das Forschungsprojekt wurden 2022 die Konvolute der Themengruppe Afrika/Nuba ausgehoben und für die weitere Erfassung und Bearbeitung separiert (Abb. 1).
Der Afrika-Bestand umfasst ca. 45.000 Foto-Objekte und weitere Archivalien, das entspricht knapp der Hälfte des gesamten fotografischen Nachlassbestandes. Die Foto-Objekte befinden sich in unterschiedlichen Behältnissen wie Fotoboxen, Mappen, Aktenordnern und Schachteln (Abb. 2&3). Archivarische Materialien wie Notizzettel oder Briefe wurden zusammen mit den Foto-Objekten in den verschiedenen Behältnissen oder in den Fotoalben aufgefunden.
Im Rahmen des Nuba-Projekts wurden 2022 und 2023 ca. 30.000 Kleinbilddias digital reproduziert. Diese grundlegenden Arbeitsschritte bilden die Basis für die inhaltliche Kooperation mit den Projektpartner:innen. Außerdem konnte so ein Einblick in die Arbeitsweisen Riefenstahls gewonnen werden. Anschließend wurden auch die Fotoabzüge digitalisiert und den Dias zugeordnet.
Um einen thematischen Überblick über den Afrika-Bestand zu erhalten, wurde pro Konvolut ein Eintrag für die interne Datenbank erstellt (Abb. 4). Hierbei wurden die Mengen, Arten, Techniken und Maße der Materialien so genau wie möglich verzeichnet. Inhaltliche Verweise zu anderen Konvoluten (Nummerierungen o. ä.) und Themen (z. B. Expeditionen, Reisen etc.), Hinweise zum Zustand sowie inhaltliche Schlagworte und involvierte Personen wurden ebenfalls erfasst.
JH
Licht ins Dunkel bringen – Wege zur Erschließung des Fotoarchivs
Künstlerische Nachlässe werden oft strukturiert und mit Verzeichnissen, die eine Orientierung zum Bearbeiten des Bestandes bieten, an Museen und Archive übergeben. Leni Riefenstahls Archiv unterliegt eigenen Ordnungsprinzipien, ein strukturierendes Verzeichnis fehlt. Während bei vielen Fotograf:innen Werkbestände chronologisch, thematisch und nach technischen Kriterien gegliedert sind, sind diese bei Riefenstahl heute nur noch zu erahnen. Zu oft haben sie und ihre Mitarbeiter:innen in die Archivstruktur eingegriffen. Das Fotomaterial wurde immer wieder neu kontextualisiert, Teile neu zusammengefügt und eine unüberschaubare Menge an Duplikaten erstellt. Mitunter sind Verweise ohne oder mit nicht mehr eindeutig lesbaren Erläuterungen auf den Fotoobjekten angebracht. Bereits gebrauchte Behältnisse wurden wiederverwendet, deren alte Beschriftungen somit irreführend sind.[1] Jedoch helfen schriftliche Dokumente und Archivalien, diese Verweise zu entschlüsseln. Folgende Beispiele sollen für Nutzer:innen eine Hilfestellung sein, sich die Zusammenhänge innerhalb des Archivs zu erschließen.
Reisedokumentation
Auf ihrer Reise mit der Nansen Gesellschaft in den Jahren 1962/63 führte Riefenstahl in einem Notizbuch eine detaillierte Filmliste zu ihrer fotografischen Arbeit, betitelt mit „Berichte und Erfassung […] aller Aufnahmen“[2]. Auf vielen gerahmten Dias sind handschriftlich Nummern vermerkt, die auf dieses Notizbuch verweisen und Erkenntnisse zum Aufnahmeort, zur präzisen Datierung sowie zur Aufnahmesituation ermöglichen (Abb. 1&2). In der Filmliste wurden die verwendeten Materialien nacheinander aufgelistet. Dementsprechend existieren redundante Nummern zu Kleinbild- und Mittelformat-Filmen von Kodak, Agfa und Perutz. Zur Identifikation der Filmnummern von dieser Expedition ist also auf das verwendete Filmmaterial zu achten (Abb. 3&4).
Die schriftliche Dokumentation zum Filmmaterial ist jedoch nicht vollständig und damit nicht immer eindeutig den Einzelmotiven zuzuordnen. Erläuterungen zu aufgenommen Motiven sind ergänzt mit Angaben zur Belichtungszeit, Filmempfindlichkeit sowie zu den Lichtverhältnissen. Am Ende des Notizbuchs findet sich außerdem eine Versandliste.
Kontexte zu Print- und Negativmaterial
Das Diapositiv- und Negativmaterial im Archiv ist teilweise mit Verweisen auf Aktenordner versehen, in die Musterfotos zu diversen Themen eingeklebt wurden.[3] Die Nummerierungen auf runden, weißen Labels (Abb. 5&6) entsprechen den laufenden Nummern in den Ordnern im Konvolut 1044 und 1045 (Abb. 7). In den Ordnern mit den Konvolut-Nummern 1040–1043 sind Abzüge teilweise dem zugehörigen Negativmaterial (Abb. 8) zugeordnet. Die Kennzeichnung erfolgt hier mit Blatt-Nummer (= Hülle) – Reihen-Nummer (in der Hülle) – Negativ-Nummer (Abb. 9).
Bild- und Themenlisten
Riefenstahl erstellte Listen zu verschiedenen Zwecken, die nach verschiedenen Nuba-Gruppen und weiteren Ethnien unterteilt sind.[4] In einigen Listen lassen sich Anmerkungen zu Motiven erkennen, die veröffentlicht wurden (Abb. 10). Jedoch konnten (noch) keine Objekte aus dem Bestand eindeutig den Anmerkungen zugeordnet werden. Im Archiv hat Riefenstahl einzelne Konvolute zum Thema kategorisiert und entsprechend neu beschriftet (Abb. 11).
Legende mit farbigen Labels
Eine Legende mit farbigen runden Labels bietet eine Übersicht zu diversen Kategorien (Abb. 12). Die Labels finden sich an vielen Stellen im Fotobestand wieder, an Konvolut-Behältern, auf Diarahmen und auf Umverpackungen. Häufig finden sich mehrere verschiedene Labels auf ein Objekt geklebt. Die Beschreibung der Kategorien ist weit gefasst und allgemein gehalten. Ohne weitere Belege auf konkrete Vorgänge lassen sich daraus noch keine Hinweise auf eine systematische Vergabe der Labels ableiten. Die Bedeutung der auf einigen Labels angebrachten Nummerierungen konnte ebenfalls noch nicht geklärt werden (Abb. 13).
Während der Erfassung von über 11.000 Einzelobjekten konnten weitere Markierungen noch nicht entschlüsselt werden. Hierzu gehören zum Beispiel Buchstabenkürzel (Abb. 14). Es könnten sowohl Bezeichnungen für Duplikate sein, die an Verlage oder Magazine herausgegeben wurden, als auch Initialen für Namen (DH, DF, DM). Für beide Lesarten gibt es bisher keine Belege. Weiterhin sind Diarahmen mit verschiedenen Zeichen beschriftet (Abb. 15). Auch hier konnten noch keine inhaltlichen Rückschlüsse gezogen werden.
JH
Digitalisierung und KI-gestützte Bildsuche
Riefenstahl fotografierte in den Nuba-Bergen und den umliegenden Regionen ganz überwiegend mit Kleinbildkameras auf Farbpositivfilm. Sie interessierte sich vor allem für ausdrucksstarke und bildwirksame Motive. Eine inhaltliche und formale Einordnung der Fotografien liegt nicht vor. Kerndaten dazu, wie Orts- und Zeitangaben, Zusammengehörigkeit von Filmen oder Namen von abgebildeten Personen, sind, wenn überhaupt, nur in unvollständigen Listen notiert. Bezüge zwischen Vorlagen und Duplikaten oder Reproduktionen sind in aller Regel nicht verzeichnet und nur über einen visuellen Abgleich herstellbar.
Diese Ausgangslage erfordert für die Erschließung eine forschungsbasierte Rekonstruktion der inhaltlichen Zusammenhänge sowie ihrer Entstehungsgeschichten. In vielen Fällen kann eine Interpretation des Bestands nur über das vergleichende Betrachten von Bildern – auch in anderen Archiven und den Veröffentlichungen – hergestellt werden. Um den Erschließungsprozess zu beschleunigen und den Umgang mit dem Material zu vereinfachen, wurde zuerst das gesamte Kleinbildmaterial digitalisiert.
Die digitalisierten Dias bilden die Basis für die kollaborative Erforschung mit den Vertreter:innen der Nuba Gesellschaften. Nur so war es möglich, Bildmaterial aller Motive zu den Workshops in Uganda mitzunehmen, um sie dort gemeinsam zu sichten und zu besprechen. Die kollaborative Sichtung der Fotografien hat zwei zentrale Ziele: eine gestaffelte Klassifikation der Zugangsgenehmigung für Angehörige von abgebildeten Personen, Forschende und die Öffentlichkeit sowie eine Identifikation der abgebildeten Szenen und, sofern möglich, Personen.
Bei der Digitalisierung wurden die im Nachlass übernommenen Konvolute beisammengehalten, damit die ursprüngliche Ordnung von Riefenstahls Arbeitsarchiv für Forschungszwecke nachvollziehbar bleibt. Riefenstahl sortierte ausgewählte Aufnahmen nach subjektiven, für sie wichtigen Kategorien, die sich auch in den Veröffentlichungen als Buchkapitel wiederfinden, wie zum Beispiel „Requiem“ als Überschrift zu Bestattungszeremonien bei den Masakin oder „Die Kunst der Maske“ als Titel für das Kapitel zu den Gesichtsbemalungen der Kämpfer in Kau Nyaro. Beschreibungen wie „Nuba in Kleidern“ oder „Landschaft mit Hütten“ sind Ausdruck von Riefenstahls externer Perspektive. Die übrigen Dias sind nach qualitativen Stufen geordnet, etwa „Reserve“, „Zweite Wahl“, „Archiv“ usw., oft ohne weitere Inhaltsangaben.
In einem zweiten Schritt digitalisierten wir die Papierabzüge, die Riefenstahl für Präsentationen produzierte. Im Zuge der Erschließung erfolgt eine digitale Neusortierung, um die Schichten der Riefenstahl’schen Bearbeitung des Bestands aufzulösen. Dafür wurden gemeinsam mit den Nuba Vertreter:innen Schlagworte formuliert, zum Beispiel „Landwirtschaft“, „Musikinstrumente“, „Zeremonien“. Diese Begriffe beziehen sich auf standardisierte Vokabularien und sind ein erster Schritt zu einer weiteren Beschreibung, da lokale Perspektiven so nicht präzise erfasst werden können. Sie dienen neben der Restrukturierung auch der einfachen Durchsuchbarkeit des Bestandes. Die Verwendung von Schlagwörtern erlaubt durch freie Kombinationsmöglichkeiten eine komplexere Beschreibung und eine Mehrfachzuordnung der Bilder.
Für die Bearbeitung auf der Basis des Sichtbaren konnten wir auf KI-basierte Softwarelösungen zur Bilderkennung zurückgreifen. Dabei kommt ein Bildsuche-Verfahren zur Anwendung, das an der Staatsbibliothek zu Berlin im Projekt „Mensch.Maschine.Kultur – Künstliche Intelligenz für das Digitale Kulturelle Erbe“ entwickelt wird (gefördert durch BKM im Rahmen der Nationalen KI-Strategie des Bundes). Besonders hilfreich ist dieses Werkzeug bei der Rekonstruktion von Werkzusammenhängen und der Suche nach unterschiedlichen Aufnahmen von einzelnen Personen.
Beispielsweise gibt es mehrere Filme von einem traditionellen Wettlauf junger Frauen, zu denen keinerlei Beschriftung von Riefenstahl vorliegt. Einzelne Aufnahmen daraus hat sie in anderen Zusammenhängen verwendet. Nachdem ein Delegierter aus Kau Nyaro die Bildserie inhaltlich eingeordnet und erläutert hatte, konnten mithilfe der Bildähnlichkeitssuche die ursprünglich zusammengehörigen Fotos wieder zusammengeführt werden.
Im Rahmen der kollaborativen Forschung konnten zahlreiche noch lebende Personen in der Region Kau Nyaro identifiziert werden. Mithilfe der KI können weitere Fotos denselben Personen zugeordnet und mit den entsprechenden Informationen versehen werden. Die digitale Umsortierung und Anreicherung der Digitalisate mit Metadaten dient der Vorbereitung der Bilddaten für die Übergabe an den Pan-Nuba Council für dessen Forschungszwecke.
KP
Restauratorische Sicherung der Fotografien
Das Konvolut der Nuba-Fotografien besteht aus einer Vielzahl von Abzügen, Negativen und Dias in zahlreichen verschiedenen Techniken und Materialien. Der Zustand der einzelnen Objekte zeigt deren rege Benutzung. Die meisten Fotografien sind rückseitig mehrfach beschriftet und mit Etiketten oder aufgeklebten Notizzetteln versehen. Durch die Benutzung entstanden zudem viele mechanische Beschädigungen, wie zum Beispiel Kratzer, Knicke oder Fingerabdrücke, sowie gelegentlich Risse und sichtbare farbliche Veränderungen durch rückseitigen Klebstoff oder Klebestreifen.
Eine repräsentative Auswahl von großformatigen Fotografien, im Cibachrome-Verfahren hergestellt, wurde für Präsentationszwecke auf schwarzen Karton geklebt. Die Fotografien, Negative und Dias wurden in Schachteln und Mappen abgelegt, die unter konservatorischen Aspekten für die Aufbewahrung von fotografischem Material nicht geeignet sind.
Zu Beginn der konservatorischen und restauratorischen Bearbeitung und vor der Digitalisierung wurden alle Fotografien gereinigt und somit Staub und aufliegende Verschmutzungen entfernt. Reste von Klebstoff und Klebestreifen wurden ebenso abgenommen. Risse und sehr starke Knicke wurden gefestigt und mit Japanpapier hinterlegt, um weitere mechanische Schäden bei der Handhabung zu vermeiden.
Nach dem Scannen erhielt jede Fotografie eine neue Fotoarchivpapier-Hülle. Alle Schachteln und Mappen wurden ebenfalls durch Schachteln aus archivgerechtem Karton ersetzt. Vor dem Verpacken wurde der schwarze Karton von den Cibachromes abgelöst, da sich dieser durch seine Materialbeschaffenheit negativ auf die Fotografien ausgewirkt hat.
Die Negative befanden sich zum größten Teil in Ablagehüllen aus Kunststoff oder in den Fotoumschlägen der Filmlabors aus Pergaminpapier in handelsüblichen Aktenordnern. Auch die Negative wurden aus konservatorischen Gründen in Ablagehüllen aus Fotoarchivpapier und geschlossene Ordnerboxen verpackt. Die gerahmten Dias, vorher vorwiegend in vielen verschiedenen Kunststoffschachteln aufbewahrt, erhalten ebenfalls neue Diaschachteln aus Archivkarton. Durch die neuen Verpackungsmaterialien und die Aufbewahrung im Depot bei kontrollierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit wird eine optimale Umgebung für die Langzeitarchivierung der Fotoobjekte gewährleistet.
HP/SP