Über das Projekt
Kollaborative Erschließung und kritische Erforschung des Nuba-Werks von Leni Riefenstahl
Workshop in Kampala, Afropocene StudioLab, 2023 (Foto: Okomu Rogers)
Kollaborative Erschließung und kritische Erforschung des Nuba-Werks von Leni Riefenstahl
Workshop in Kampala, Afropocene StudioLab, 2023 (Foto: Okomu Rogers)
Über das Projekt
Diese Website dokumentiert den Forschungsprozess und präsentiert die Ergebnisse des internationalen Projektes „Rassismus – Kolonialismus – Faschismus? Deutsch-Sudanesische kollaborative Erschließung und Präsentation des Nuba-Werks von Leni Riefenstahl“, gefördert von der Beauftragten für Kultur und Medien. In diesem Rahmen wird das sogenannte Nuba-Werk im Nachlass von Leni Riefenstahl (1902–2003) erforscht und kontextualisiert.
Ziel des gemeinsam mit Vertreter:innen des Pan-Nuba Council entwickelten Vorhabens ist es, erstmals die Sichtweise von Angehörigen der Nuba Gesellschaften auf die Riefenstahl’schen Arbeiten ins Zentrum zu stellen. Das Projekt wird von folgenden Fragen geleitet: Wie interpretieren die Nuba Gemeinschaften Riefenstahls Werk und dessen Ästhetik aktuell? Inwiefern und wie fügen sie dieses Werk, diese Bilder in die eigenen Entwürfe kultureller Identität ein? Die kritische Aufarbeitung der Entstehung, der Verbreitung und der Rezeptionsgeschichte der Aufnahmen wird in einem multiperspektivisch-kollaborativen Forschungsprozess mit sudanesischen Wissenschaftler:innen und Künstler:innen sowie einzelnen Vertreter:innen der Nuba Gesellschaften durchgeführt.
Riefenstahls fotografisches Archiv bildet einen bedeutenden Teil des umfangreichen Nachlasses, der 2018 in den Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergegangen ist. Das filmische Werk wurde der Stiftung Deutsche Kinemathek übergeben. In der Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeiten Mitarbeiter:innen der Kunstbibliothek, des Ethnologischen Museums und der Staatsbibliothek in engem Austausch mit Kolleg:innen der Deutschen Kinemathek an der Erforschung.
Die Fotografien, Filme und Kulturgegenstände aus Afrika, insbesondere die umfangreichen Bestände zu den Nuba Gemeinschaften, sind im Rahmen kolonialer und rassifizierter Kontexte zu betrachten und dementsprechend kritisch zu beschreiben. Mithilfe von Methoden der kollaborativen Arbeit leistet das Projekt Grundlagenforschung für den Umgang mit „belasteten“ Sammlungen. Es widmet sich der Aufarbeitung eines problematischen deutschen Nachlasses und liefert zugleich einen Beitrag zur Sicherung des kulturellen Erbes im Sudan in Zeiten des Krieges.
Wegen der Folgen des Militärputsches im Oktober 2021 und des seit April 2023 im Sudan wütenden Krieges wird die ursprünglich breit angelegte kollaborative Forschung in intensiver Arbeit mit Fokusgruppen durchgeführt. Zugangsklassifizierungen und die Anwendung von Ordnungssystemen, Schlagworten und lokalem Sprachgebrauch – beispielsweise der Umgang mit der kolonialen Umbenennung von Orten und Personen sowie Übersetzungsfragen – werden gemeinsam erarbeitet. Mit einem Symposium Ende Oktober 2024 wurden die Konzeption des Vorhabens, die Arbeitsprozesse und erste Forschungserkenntnisse vorgestellt und mit einem Fachpublikum diskutiert.
In den 1970er Jahren veröffentlichte Leni Riefenstahl zwei Fotobücher über zwei in den sudanesischen Nuba-Bergen lebenden Bevölkerungsgruppen: Die Nuba (1973) und Die Nuba von Kau (1976). Die Publikationen wurden in zahlreiche westliche Sprachen sowie ins Japanische übersetzt und mehrfach neu aufgelegt. Auch im Sudan sind die darin abgedruckten Fotografien bekannt – die lange Jahre offiziell verbotenen Bücher kursierten sie dort unter der Hand.
Als Regisseurin hatte Riefenstahl mit ihren Filmen und den begleitenden Publikationen ein wirkmächtiges Bildrepertoire des Nationalsozialismus geschaffen, insbesondere mit Triumph des Willens (1934) und Olympia (1938), das bis heute global im visuellen Gedächtnis verankert ist. Nach dem Krieg wurde sie massiv mit Vorwürfen zu ihrer Tätigkeit als Propagandistin des nationalsozialistischen Regimes konfrontiert. Ihre Arbeit als Fotografin in Afrika sah sie als entscheidende neue Etappe ihrer Karriere.
Riefenstahl hat von den Fotografien, die sie von den Bevölkerungsgruppen der Kau Nyaro und Masakin gemacht hat, stark profitiert – finanziell, aber auch als Fotografin, weil sie sich dadurch ein neues Image erschaffen konnte. Den Fotografierten hingegen brachten die Projekte weder materiellen noch ideellen Nutzen, im Gegenteil: Die durch Riefenstahls Arbeit erzeugte Aufmerksamkeit beförderte rigide Regularien von Seiten der islamischen Regierung, zum Beispiel die Einführung von Bekleidungsvorschriften und die Unterdrückung kultureller Praktiken.
Der beschriebenen Ausbeutung tritt das Projekt durch den kollaborativen Ansatz und die Übergabe der digitalisierten Bilder an den Pan-Nuba Council entgegen. Dieser wird Riefenstahls Nuba-Werk eigenständig erforschen, über die Art der Aneignung entscheiden und die Aufnahmen in einem Kulturzentrum vor Ort präsentieren.
Film zum Projekt
Die Filmemacher Hajooj Kuka und Wael Gazoly haben das kollaborative Forschungsprojekt begleitet und filmisch dokumentiert.
Kollaboration in Krisensituationen
Ein erstes Treffen zwischen Repräsentant:innen der Nuba und dem Sprecher des wissenschaftlichen Beirats, der die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Frage des Umgangs mit Leni Riefenstahls Nachlass unterstützt, fand Ende März 2020 im Sudan statt. Dabei stellte der wissenschaftliche Beirat die Idee einer Zusammenarbeit vor. Das vorgelegte visuelle Material erregte bei den anwesenden Vertreter:innen der Nuba größtes Interesse.
Gegen Ende November 2021 wurde in den Räumlichkeiten des Nuba House in Ombadda, al-Chartum, eine große Versammlung organisiert (Abb. 1). Als Beraterin der Berliner Projektgruppe diskutierte Valerie Hänsch, unterstützt vom Sprecher des wissenschaftlichen Beirats Kurt Beck, mit zahlreichen Führungsmitgliedern des Pan-Nuba Council, die die Nuba Gemeinschaften vertraten. Diese hatten bereits eigene Vorstellungen über eine Zusammenarbeit entwickelt. Zwei Tage lang tauschten sich die Teilnehmenden in einer lebhaften Debatte über wechselseitige Erwartungen der Zusammenarbeit aus. Bei diesem Treffen nahm das Vorhaben zur Digitalisierung, Erforschung und Übergabe von Riefenstahls Aufnahmen der Nuba seine endgültige Form als kollaboratives Projekt an. Anschließend wurden die Pläne weiter ausgearbeitet und die Digitalisierung der Fotografien und Filme in den beteiligten Berliner Museen vorbereitet.
Kurz vor dem Treffen, am 25. Oktober 2021, hatte das sudanesische Militär einen Putsch durchgeführt und die Übergangsregierung entmachtet, die sich 2019 nach Protesten und dem Sturz der ehemaligen Militärregierung gebildet hatte. Dennoch hofften die Teilnehmer:innen des Projekttreffens, dass sich die politische Lage wieder entspannen würde und das Projekt in einem freien, demokratischen Sudan umgesetzt werden könnte.
Geplant waren gemeinsame Forschungen und ein breiter Konsultationsprozess in den Nuba-Bergen und im Großraum Khartum, um möglichst viele unterschiedliche Perspektiven von Nuba Vertreter:innen auf Riefenstahls Aufnahmen zu erhalten und um eine Einigung über den Umgang mit dem Material zu erzielen. Außerdem war eine Ausstellung in Khartum geplant, die als Wanderausstellung sowohl in die Nuba-Berge als auch in sudanesische Städte mit Nuba Bevölkerungsgruppen reisen sollte. Einen weiteren Meilenstein der Projektpläne stellte der vom Pan-Nuba Council anvisierte Aufbau eines Kulturzentrums in den Nuba-Bergen dar, in dem die digitalisierten Aufnahmen den Nuba Gesellschaften zugänglich gemacht werden sollten.
Der Beginn des Krieges zwischen dem sudanesischen Militär und der Miliz Rapid Support Forces (RSF) am 15. April 2023 brachte das geplante Projekt fast zum Erliegen. Der Vorsitzende des Pan-Nuba Council erinnert sich an die ersten Monate des Krieges: „Alle wurden vertrieben und über das ganze Land verstreut, viele flohen in die Nachbarländer. Zwischen den Mitgliedern des Pan-Nuba Council und seinem Exekutivausschuss war keine Kommunikation möglich.“ Tausende Menschen wurden durch die Kampfhandlungen in Khartum und anderen Städten getötet, Millionen mussten fliehen. Bis Herbst 2024 werden über 14 Millionen Menschen vertrieben.
Trotz der schwierigen Umstände fiel die gemeinsame Entscheidung, zumindest den Versuch zu unternehmen, das Projekt zu retten. Ein Mitglied des Pan-Nuba Council reflektiert dies: „Es gab eine Zeit, in der wir alle nicht wussten, ob wir weitermachen sollen oder nicht. Wir waren wegen des Krieges verunsichert und verstreut. Dann haben wir uns wieder zusammengefunden. Wir haben lange diskutiert, ob wir das Projekt weiterführen können oder nicht. Am Ende sagten wir, wir machen weiter. Dies war ein historischer Moment für das Fortleben des Projekts.“
Der Kriegssituation stellte die ohnehin zeitintensive und komplexe kollaborative Arbeit der gemeinsamen Forschung und Entscheidungsfindung in vielerlei Hinsicht vor große Herausforderungen: ethisch, administrativ, finanziell und strukturell. Die ausgearbeiteten Pläne mussten angepasst werden. Anstatt der Forschung im Sudan verlegten wir die Zusammenarbeit in ein sicheres Nachbarland und konzentrierten uns auf kleinere Fokusgruppen von Nuba Vertreter:innen, ausgewählt durch den Pan-Nuba Council. In Kampala fand dann der Auftakt der kollaborativen Forschung in einem ersten intensiven Workshop im Herbst 2023 statt (Abb. 2). Der Erfolg dieses Arbeitstreffens machte allen Beteiligten Mut zur weiteren Zusammenarbeit. Seither muss immer wieder flexibel auf die sich beständig verändernde Situation reagiert werden, um das Projekt und seine Ziele trotz der Umstände in gemeinsamer Anstrengung Schritt für Schritt meistern zu können.
VH
Über uns
Der Pan-Nuba Council (PNC) ist eine gemeinschaftsbasierte NGO, die 2021 von der Nuba Gesellschaft im Bundesstaat al-Chartum gegründet wurde. Ihr Hauptsitz befindet sich im Nuba House in Ombadda. Der PNC entstand nach einem langwierigen Prozess, der etwa acht Jahre in Anspruch nahm. Den Anstoß zu seiner Gründung gab eine öffentliche Rede des damaligen Staatspräsidenten Omar al-Bashir in al-Qadarif anlässlich der Erntefeierlichkeiten im Jahr 2011. Nach der Unabhängigkeit des Südsudan hatte er verkündet, dass der Sudan nun ein islamisch-arabisches Land sei, in dem es keinen Platz für andere Kulturen gebe. Für die Nuba gab diese Erklärung des Präsidenten neben den politischen Maßnahmen, die sich gegen die nicht-arabischen Kulturen des Sudan und deren Regionalsprachen richteten, den Ausschlag zu handeln.
Jugendliche Aktivist:innen hielten eine Reihe von Versammlungen ab, um über eine angemessene Reaktion auf die Verlautbarung des Präsidenten zu beraten. Als Erstes beschlossen sie die Veranstaltung eines großen Festivals in Khartum, um der Regierung, anderen Nicht-Nuba Gesellschaften und der internationalen Gemeinschaft zu signalisieren, dass die Unabhängigkeit des Südsudan nicht zu Lasten der Nuba Kulturen, ihres Erbes und ihrer Sprachen gehen dürfe. Dann wurde das Higher Committee of the Nuba Mountains Cultural Heritage Festival (Leitungsgremium für das Kulturerbe der Nuba) gegründet, das das Festival planen und umsetzen sollte.
Mit dem ersten Festival, 2011, sendeten die Nuba eine deutliche Botschaft: „Wir Nuba sind hier, und unsere Kultur muss und wird bestehen bleiben!“ Die unterschiedlichen Aktivitäten auf dem Festival erwiesen sich als wirksames Mittel zur Festigung der kulturellen Identität. Beim Nachbereitungstreffen beschlossen die Teilnehmenden, das Festival jährlich zu veranstalten, wobei das Higher Committee weitere Mitglieder rekrutieren sollte, um die meisten oder sogar alle Nuba Gesellschaften repräsentieren zu können. Das Komitee veranstaltete vier Festivals, ehe im April 2023 der Krieg begann.
Beim Evaluierungstreffen wurde außerdem die Schaffung eines gemeinschaftsbasierten Gremiums vorgeschlagen, das die Vereinigung der Nuba Gesellschaften vorantreiben sollte. Es wurde Pan-Nuba Council (PNC) genannt. Auf demselben Treffen wurde von führenden Persönlichkeiten der Nuba Gesellschaften ein Arbeitskreis gebildet, um die Gründung des PNC zu betreuen. Ein weiterer Ausschuss bildete sich aus den Reihen der Juristenvereinigung, er sollte die Statuten und Satzung des PNC entwerfen.
Nach acht Jahren Arbeit und zahlreichen Treffen konnte das Komitee 65 der insgesamt 82 Nuba Gesellschaften überzeugen, sich dem Pan-Nuba Council anzuschließen und Vertreter:innen zu entsenden: und zwar 25 Personen aus jeder Gesellschaft, davon jeweils fünf aus den Gruppen Jugendliche und Studierende, Frauen, wichtige Persönlichkeiten, Führungsfiguren und Intellektuelle. Schließlich wurde eine Generalversammlung einberufen, auf der die Satzung und Statuten verabschiedet und die Generalbevollmächtigten sowie das Exekutivkomitee gewählt wurden.
Der Rat der Generalbevollmächtigten vertritt die Generalversammlung bei Abwesenheit oder in Notfällen. Zum Exekutivkomitee gehören der:die Vorsitzende und dessen:deren Stellvertreter:in sowie achtzehn Sekretariate (u. a. das Generalsekretariat und die Sekretariate für Finanzen, Statistik, religiöse Angelegenheiten, Frauen und Familien, Jugend). Der Pan-Nuba Council hat Niederlassungen in den Bundesstaaten an-Nil al-abyad, Nahr an-Nil und al-Dschazira und plant zusätzliche Ableger in weiteren Bundesstaaten mit einem signifikanten Nuba Bevölkerungsanteil.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist eine weltweit renommierte Kultureinrichtung und ein bedeutender Akteur in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Zu ihr gehören Museen, Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute. Ihre Sammlungen haben universalen Charakter. Sie dokumentieren die kulturelle Entwicklung der Menschheit von den Anfängen bis in die Gegenwart, in Europa wie in anderen Kontinenten. Sie sind in Brandenburg und Preußen entstanden und enzyklopädisch gewachsen. Heute wirkt die Stiftung an der Neugestaltung der historischen Mitte Berlins wesentlich mit. Unter dem Dach der Stiftung sind fünf Einrichtungen vereint: die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung. Alle Sparten der kulturellen Überlieferung sind damit in der Stiftung vertreten.
Das aus der königlichen Kunstkammer hervorgegangene Ethnologische Museum gehört seit seiner Gründung 1873 international zu den größten und bedeutendsten seiner Art. In seinen Sammlungen befinden sich circa 500.000 ethnografische, archäologische und kulturhistorische Objekte aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien. Diese werden durch circa 500.000 Medien (ethnografische Fotografien, Filme, Tondokumente) und rund 200.000 Seiten Schriftdokumente ergänzt. Für zahlreiche seiner Sammlungen gilt, dass sie zu den umfangreichsten und wertvollsten überhaupt zählen. Zusammen mit dem Museum für Asiatische Kunst sowie weiteren Akteuren, wie dem Stadtmuseum Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin, präsentiert das Ethnologische Museum seine Sammlungen in einer innovativen Konzeption im Humboldt Forum am Schlossplatz in Berlin-Mitte.
Die Kunstbibliothek ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung mit einer der weltweit größten Museumsbibliotheken. Hinzu kommen bedeutende Sammlungen zur Geschichte der Architektur, der Fotografie, des Grafikdesign und der Mode sowie zur Buch- und Medienkunst. Die Bibliothek und die Museumssammlungen repräsentieren gemeinsam das ganze Quellenspektrum der kunst- und kulturwissenschaftlichen Forschung. Die Kernaufgaben der Kunstbibliothek sind die fächerübergreifende Vernetzung und Literaturversorgung der fachwissenschaftlichen Disziplinen in den Staatlichen Museen zu Berlin. Mit ihren Forschungen und Ausstellungen öffnet sie neue Perspektiven auf die Geschichte der Bildmedien, der Architektur, der Mode und des Kunsthandels sowie auf die gemeinsame Geschichte von abendländischer und außereuropäischer Kunst. Das Netzwerk der Kunstbibliothek umfasst drei Standorte: Kulturforum (Museumssammlungen, Kunstwissenschaftliche Bibliothek), Archäologisches Zentrum (Archäologische Bibliothek) und Museum für Fotografie (Ausstellungsort für die Sammlung Fotografie).
Die Staatsbibliothek zu Berlin ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek in Deutschland. Sie sammelt und bewahrt Handschriftliches, Gedrucktes und Digitales aus allen Wissenschaftsgebieten, Sprachen und Ländern. Sie ist ein Zentrum der nationalen und internationalen Literaturversorgung. Sie bewahrt mit mehr als 25 Millionen verschiedenen Medien umfangreiche Bestände zu allen Fachgebieten. Zu ihren Sammlungen gehören Bücher, Handschriften, Autographen, Karten, Drucke, Bilderalben, Zeitungen, Nachlässe, elektronische Ressourcen und vieles mehr. Ein besonderer Schatz ist etwa die Partitur von Beethovens 9. Sinfonie. Sie zählt zum UNESCO-Welterbe. Nachlässe von Gelehrten und Schriftstellern sowie umfangreiche Verlagsarchive werden in der Staatsbibliothek wissenschaftlich erschlossen und ausgewertet. Ihr Bestand – auch an Datenbanken und anderen elektronischen Ressourcen – wächst ständig.
Die Deutsche Kinemathek ist eine der führenden Institutionen Europas, die sich dem audiovisuellen Erbe widmet. 2025 zieht die Kinemathek ins E-Werk in Berlin-Mitte, während die Planung eines neuen Filmhauses weitergeht. In diesem Übergangsquartier wird das Programm fortgeführt – mit bewährten Formaten und neuen Ideen – und bietet weiterhin spannende Einblicke in die Film- und Fernsehkultur. Die Kinemathek fördert mit einem vielfältigen Bildungs- und Veranstaltungsprogramm die Auseinandersetzung mit bewegten Bildern. Ihre Archive und Fachbibliothek sind zentrale Anlaufstellen für Forschung und Wissenschaft und bleiben zugänglich. Der Filmverleih mit rund 20.000 Titeln ist weiterhin ein wichtiger Teil der Kinemathek, ebenso wie die Filmreihen und Filmfestivals. Bis zum 31. Oktober 2024 präsentierte die Kinemathek in ihrem Museum für Film und Fernsehen eine ständige Ausstellung zur deutschen Film- und Fernsehgeschichte, ergänzt durch wechselnde Sonderausstellungen. Im zweiten Halbjahr 2025 wird sie ihren Ausstellungsbetrieb im E-Werk aufnehmen.